
Bücher zur Begründung der unterschiedlichen Positionen im Coronakonflikt gibt es viele, aber wer darüber nachdenkt, ob und wie weit Versöhnung im Privaten wie in der Gesellschaft heute eigentlich möglich ist, und wer dabei auch noch die verschiedenen Verletzungen, die dem Bruch zwischen den Menschen zugrunde liegen, betrachten will, ist hier gut aufgehoben.
Es geht um die Frage des Coronakonfliktes und die Möglichkeiten einer Versöhnung zwischen den Konfliktparteien. Wer sich nur seine Auffassung in den Konfliktfragen bestätigen lassen möchte, wird sich hingegen ärgern. Wobei das ja auch produktiv sein kann.
Titel: Die Zwietracht in der Coronazeit.
Das Zerwürfnis eines Zwillingspaar am Ende seiner Tage
Verlag: tredition
Taschenbuch: 400 Seiten, 18,00 €
ISBN 978-3-384-73164-7
Gebunden (GROSSDRUCK): 376 Seiten, 28,00 €
ISBN 978-3-384-73166-1
E-Book 7,99 €
Sehr geehrte Familie Witt,
Die Ermittlungen zur Entwicklung des Konfliktes Ihrer beiden Onkel habe ich erfolgreich abgeschlossen. Ebenso hat mein Kollege die Vorgänge in Portugal aufgeklärt. Bei den weiteren Nachforschungen stieß ich jedoch auf viele Spuren, mit denen Ihre Onkel das tatsächliche Geschehen vertuschten. Von einer Verständigung (eine Versöhnung war es sicher nicht) bis zum Mord scheint fast alles möglich.
Ich meinte zu unserem Autor, Herrn Schlange, er könne dank der „Vorarbeit“ der beiden Protagonisten zwei Bücher schreiben, je eines für die Wahrheiten der Befürworter und der Gegner der Coronamaßnahmen. Die würden dann in ihren jeweiligen Vorurteilen bestätigt. Herr Schlange meinte allerdings, dann könne und müsse er noch zwei weitere Bücher verfassen. Eines für diejenigen, die Verständnis für beide Seiten hätten und eines für die, die beide Seiten für Idioten hielten. Da beschränke er sich doch lieber auf nur ein Buch für die, die alle diese Standpunkte wenigstens ertrügen – und er hoffe, da sogar im Sinne Ihrer Onkel zu handeln.
Nach dem Lesen seines Textes muss ich immerhin zugeben, dass er trotz – oder gerade wegen – aller Verkürzungen kurzweiliger ist als mein Bericht. Herr Schlange bittet Sie jedenfalls, einer Veröffentlichung zuzustimmen, aber er akzeptiert es natürlich, wenn Sie die Privatsphäre Ihrer Familie schützen wollen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Klaus Nottebrook
Der Roman handelt von zwei alten Männern, den Zwillingen Peter und Paul Witt, die über Jahrzehnte hinweg nach außen hin stets mit einer Meinung aufgetreten sind und die sich 2020 über die Coronamaßnahmen zerstritten haben.
Als deren Neffe von einem Bestatter erfährt, dass der aus Portugal Totenscheine und Urnen mit der Asche der beiden Zwillinge erhalten hat, wenden sie sich an den pensionierten Polizisten Nottebrook mit der Bitte, die Umstände des Todes, vor allem aber den Charakter des Streites der beiden genauer zu untersuchen.
Sehr schnell wird klar, dass beide Zwillinge in der Coronazeit kaum noch miteinander gesprochen haben. Stattdessen haben sie über ein System von Karteikarten miteinander kommuniziert, die zumindest einer von beiden aufbewahrt hat. Diese Karten zeichnen ein deutliches Bild des Konfliktes zwischen den Brüdern, der manchmal heftig und unver- söhnlich erscheint, sich später aber immer häufiger zu einem Versuch, den anderen zu überzeugen und vielleicht sogar zu verstehen, übergeht – was aber nur sehr ansatzweise gelingt.
Dazwischen tauchen Alltagsprobleme auf, zum Beispiel während der Toilettenpapierkrise, aber es kommt auch immer wieder zu heftigen Anfeindungen. Und es wird klar, dass die lebenslange Einigkeit der beiden kein genetischer Effekt ihres Zwillingsdaseins war, sondern immer wieder das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung zwischen den beiden um ‚richtig‘ und ‚falsch‘. Bei diesem Ringen um die Wahrheit scheiterten sie nun in der Coronazeit.
Am Ende kann der von Verwandten der Toten mit den entsprechenden Ermittlungen beauftragte Nottebrook zwar die zwielichtigen Umstände des Zustande- kommens der beiden Urnen und Toten- scheine in Portugal aufklären, aber wie der Konflikt zwischen den Zwillingen ausging, haben die beiden vor ihrem Tod offenbar verschleiert – es wirkt fast, als hätten sie vier verschiedene Enden der Geschichte entwickelt, je eines für die Befürworter und die Gegner der Maßnahmen, aber auch zwei weitere für diejenige, die Verständnis für beide Seiten hatten und sogar für die, die beide Seiten für Spinner hielten.